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Cannabinoide: Die Wirkstoffe der Hanfpflanze

Entspannung, Euphorie, Kreativität, gesteigerter Appetit – die Palette an Effekten, die durch den Konsum von Cannabisprodukten ausgelöst werden, ist immens. Jeder Konsument hat sicher seine eigenen Gründe, weshalb er dem Hanf-Rausch zugetan ist. Doch egal welcher dieser Aspekte vom Einzelnen favorisiert wird, verantwortlich dafür sind die sogenannten Cannabinoide, die in hoher Konzentration in den Blüten der weiblichen Hanfpflanze vorhanden sind. Am bekanntesten ist hier sicherlich das Tetrahydrocannabinol (kurz: THC), welches auch hauptsächlich für die psychoaktive Wirkung verantwortlich ist. Die anderen Cannabinoide sind aber keinesfalls nutzlos, nur weil sie nicht berauschend wirken. Gerade aus medizinischer Sicht kommt hier beispielsweise dem Cannabidiol (kurz: CBD) eine besondere Rolle zu. Ein Überblick.

Tetrahydrocannabinol (THC)

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Strukturformel von Tetrahydrocannabinol

Während der Name „Tetrahydrocannabinol“ bei Nicht-Konsumenten wohl immer noch oft einen fragenden Blick hinterlässt, ist das Kürzel „THC“ weitläufig bekannt als der Hauptwirkstoff von Cannabis-Produkten. Er ist hauptsächlich in den weiblichen Blütenständen der Hanfpflanze vorhanden.

THC ist größtenteils für die psychoaktive Wirkung potenter Cannabis-Produkte verantwortlich. Dieser Rausch äußert sich durch die bekannten als positiv empfunden Symptome wie Euphorie, gesteigerter Rededrang und Appetit, Entspannung oder die intensivere Wahrnehmung visueller und auditiver Reize. Bei falscher Dosierung oder unpassendem Setting kann THC aber auch teils unangenehme Nebenwirkungen auslösen wie Paranoia, einen trockenen Mund oder gerötete Augen. Manchmal kann es sich auch so anfühlen, als würde das Kurzzeitgedächtnis seinen Dienst komplett einstellen. Das ist zwar meist harmlos und amüsant, kann aber in der falschen Situation auch sehr anstrengend sein.
Der bekannteste Wirkstoff der Hanfpflanze ist aber nicht aus hedonistischen Aspekten interessant. THC kann auch einen immensen medizinischen Nutzen haben. So wirkt es beispielsweise schmerzlindernd oder kann den Augeninnendruck senken. Auch wird es gegen Appetitlosigkeit oder Übelkeit eingesetzt. Einige Studien gehen sogar davon aus, dass THC eine weitere Ausbreitung von Krebszellen hemmen könnte.

Cannabidiol (CBD)

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Die Strukturformel von Cannabidiol

Der Bekanntheitsgrad von Cannabidiol (CBD) kann dem des großen Kollegen nicht das Wasser reichen. Doch sollte man auch dieses Cannabinoid genauer betrachten, denn es bietet ein enormes therapeutisches Potenzial. Es wirkt nicht psychoaktiv, löst also keine berauschende Wirkung aus. Im medizinischen Bereich zeichnet sich die Substanz hingegen durch eine enorme Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten aus und ist alles andere als wirkungslos.

Die genaue Wirkungsweise von CBD ist im Gegensatz zu derer des THC noch weitaus weniger erforscht.  Aufgrund seines hohen medizinischen Potenzials wird sich das aber mit ziemlicher Sicherheit in naher Zukunft ändern.  Das am zweithäufigsten in der weiblichen Hanfblüte vorkommende Cannabinoid hat allerdings bereits heute vielen Patienten bewiesen, dass es vor allem bei chronischen Beschwerden den Alltag erleichtern kann.  Erfolgreiche Behandlungen sind dank der antientzündlichen  und schmerzlindernden Wirkung u. a. bei körperlichen Krankheiten wie Athritis, Multipler Sklerose (MS) oder Rheuma möglich. Aber auch bei psychischem Leiden können CBD-haltige Medikamente die Lebensqualität der Betroffenen signifikant steigern – so werden diese beispielsweise bei Schlafstörungen, Angstzuständen oder Zwangsneurosen eingesetzt.
In den meisten potenten Cannabis-Strains ist CBD vergleichsweise nur in sehr geringen Anteilen enthalten. Es gibt mittlerweile aber bereits Sorten mit überdurchschnittlichem CBD-Gehalt, die unter anderem auch als Medikament zum Einsatz kommen. Außerdem wird der Wirkstoff auch extrahiert bzw. synthetisiert und ist in diversen Applikationsformen erhältlich. Auch in Deutschland lässt sich z. B. CBD-haltiges Öl frei verkaufen und erwerben.

Cannabinol (CBN)

Cannabinol (CBN) ist ein weiteres Cannabinoid, welches in den weiblichen Blütenständen der Hanfpflanze natürlich vorkommt. Es ist ein Oxidationsprodukt von THC und lässt sich meist nur in geringem Ausmaß in den getrockneten Knospen nachweisen (ca. 1%). Obwohl es im Gegensatz zu THC nur sehr schwach an die Cannabinoid-Rezeptoren im menschlichen Körper andockt, ist es nicht komplett wirkungslos. So wirkt es positiv gegen Übelkeit oder kann gegen epileptische Anfälle helfen, ohne dabei aber die stärkere Wirksamkeit von THC oder CBD zu erreichen.
Aufgrund der molekularen Ähnlichkeit zu THC könnte die Zukunft zeigen, dass sich CBN effektiv medizinisch einsetzen lassen wird, ohne dabei einen bewusstseinsverändernden Rausch auszulösen.

Weitere Cannabinoide

THC, CBD, CBN – drei der bedeutendsten Wirkstoffe haben wir hier bereits vorgestellt, doch die Bandbreite an Vertretern der Cannabinoide, die in der Hanfpflanze natürlich vorkommen, ist wesentlich größer. Genauer gesagt sind es 85 (!) verschiedene Varianten dieser Cannabinoide, die bei Pflanzen der Gattung Cannabis sativa nachgewiesen wurden. Drei weitere seien der Vollständigkeit halber noch genannt.

    • Cannabichromen (CBC) ist in den Blüten mit einem Wirkstoffgehalt von etwa einem halben Prozent zu finden. Es hat eine beruhigende Wirkung und unterstützt die schmerzstillenden Effekte von THC. Außerdem konnte eine antibakterielle Wirkung festgestellt werden.
    • Tetrahydrocannabivarin (THCV) ähnelt in seiner Grundstruktur derer von THC. In Kombination mit anderer Medikation kann es bei Diabetes helfen.
    • Cannabigerol (CBG) dockt ebenfalls an die Cannabinoid-Rezeptoren an und wirkt dabei nicht psychotrop. Bisher wurde festgestellt, dass es  den Augeninnendruck bei Katzen senken kann.

Einfluss auf die Verdampftemperatur

Wie es bei chemischen Elementen eben so ist, haben die verschiedenen Cannabinoide nicht nur andere Wirkungsmechanismen, sie unterscheiden sich teilweise beachtlich in ihrer Siedetemperatur. Dies ist für den geneigten Cannabis-Dampfer natürlich besonders relevant, da es entscheidend ist für die Wahl der Temperatur, bei der das Produkt verdampft werden soll. Aufgrund dieser Unterschiede lässt sich der eintretende Effekt nach Wunsch variieren.

siedetemperaturen
Die Verdampf-Temperatur hat einen großen Einfluss auf die Wirkung des Produktes

Bei einer Verdampf-Temperatur zwischen 160 und 170°C überwiegen die psychischen Wirkungen des Cannabis-Produkts, da hierbei hauptsächlich THC verdampft wird. Der Konsument verspürt eine kopflastige Wirkung, womöglich ist er leicht euphorisiert und verspürt eine intensivere Wahrnehmung und gesteigerte Kreativität.

Konfiguriert man seinen Vaporizer auf eine Temperatur zwischen 170 und 185°C verspürt man zusätzlich eine körperliche Wirkung, das für Cannabis typische Gefühl der tiefen Entspannung breitet sich aus, ohne dass man sich direkt geplättet fühlt.

Steigert man die Temperatur noch weiter, besonders ab 190°C stellt sich eine Wirkung ein, bei der die körperlichen Aspekte überwiegen. Man fühlt sich klassisch „stoned“ und hat das Gefühl, stundenlang relaxt an die Couch gefesselt zu sein.

Natürlich kann die Verdampftemperatur die Wirkung einer Cannabis-Sorte nur variieren, hauptsächlich verantwortlich bleibt die spezifische Wirkstoffkonzentration des jeweiligen Strains.

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