Cannabis Genussmittel Magazin

Von Einigkeit keine Spur: Rechtliche Lage von Cannabis in Europa

Ob nun gemeinsam dampfen mit guten Freunden in illustrer Runde oder nach einem anstrengenden Arbeitstag zur Entspannung – viele Hanffreunde möchten die Vorteile eines bewussten Cannabiskonsums aus Genusszwecken nicht mehr missen. Die meisten Menschen wissen heutzutage, dass der Konsum von Hanfblüten nicht im Widerspruch steht mit einem erfüllten alltäglichen Leben. Und obwohl sich weltweit eine begrüßenswerte Liberalisierungspolitik in Bezug auf Cannabis durchzusetzen scheint, gilt es an vielen Orten der Erde immer noch als gefährlicher Suchtstoff und ist deshalb verboten. So auch noch in Deutschland, wobei natürlich zu hoffen bleibt, dass ein mögliches Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen das Thema positiv in einen Koalitionsvertrag zu integrieren vermag. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Lage bezüglich Cannabis in anderen Ländern aus? Ein kleiner Blick über den Tellerrand.

Ob nun gemeinsam dampfen mit guten Freunden in illustrer Runde oder nach einem anstrengenden Arbeitstag zur Entspannung – viele Hanffreunde möchten die Vorteile eines bewussten Cannabiskonsums aus Genusszwecken nicht mehr missen. Die meisten Menschen wissen heutzutage, dass der Konsum von Hanfblüten nicht im Widerspruch steht mit einem erfüllten alltäglichen Leben. Und obwohl sich weltweit eine begrüßenswerte Liberalisierungspolitik in Bezug auf Cannabis durchzusetzen scheint, gilt es an vielen Orten der Erde immer noch als gefährlicher Suchtstoff und ist deshalb verboten. So auch noch in Deutschland, wobei natürlich zu hoffen bleibt, dass ein mögliches Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen das Thema positiv in einen Koalitionsvertrag zu integrieren vermag. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Lage bezüglich Cannabis in anderen Ländern aus? Ein kleiner Blick über den Tellerrand.

Niederlande

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Windmühlen und Weed: Niederlande

Amsterdam – es gibt wohl keine Stadt weltweit, die so sehr mit dem Konsum von Cannabis-Produkten in Verbindung gebracht wird wie die Hauptstadt der Niederlande. Und das kommt nicht von ungefähr. Jeder, der sich mit der Materie schon ein bisschen auseinandergesetzt hat, weiß dass die sogenannten Coffeeshops in den Niederlanden wesentlich mehr zu bieten haben als wässrigen, lauwarmen Kaffee im Pappbecher. Viel mehr haben Hanffreunde dort die Gelegenheit, Cannabisprodukte zu erwerben und können diese dort auch unbehelligt konsumieren. Das liegt daran, dass es nach niederländischem Recht bei Erwerb, Besitz und Konsum von „weichen Drogen“ nicht zwangsweise zu einer Strafverfolgung kommen muss. Zu dieser Art von Drogen gehören eben Marihuana und Haschisch, aber beispielsweise auch psilocybinhaltige Trüffel, die in sogenannten Smartshops für Volljährige erhältlich sind.
Wer jetzt aber glaubt, Cannabis-Produkte seien in den Niederlanden komplett legalisiert, der hat leider weit gefehlt. Die Coffeeshops sind aus rechtlicher Sicht nur unter strengsten Auflagen geduldet. So darf ein Shop beispielsweise niemals mehr als 5 Gramm pro Person am Tag abgeben und der Höchstbestand an Marihuana bzw. Haschisch darf 500 Gramm nicht überschreiten. Theoretisch wäre es für die Behörden sogar kinderleicht, die lizensierten Abgabestellen dicht zu machen. Paradoxerweise sind Herstellung und Einfuhr von Cannabis-Produkten auch in den Niederlanden illegal, sodass die Shops durch die Hintertür mit Ware beliefert werden müssen. Würde die Polizei dort lauern, gäbe es für die Läden keinen Nachschub mehr und irgendwann müssten sie dichtmachen. Diese „Hintertür-Problematik“ könnte aber bald ein Ende haben: die im März 2017 neu gewählte Regierung der Niederlande möchte die Shops ab dem kommenden Jahr mit staatlich kontrolliertem und angebautem Cannabis versorgen können.

Wer als Deutscher einen entspannten Trip ins flache Nachbarland plant und dabei den ein oder anderen Cannabis-Strain ausprobieren möchte, sollte sich vorher aber genau informieren. Da der Umgang mit weichen Drogen in den Niederlanden kommunal geregelt wird, gibt es viele Gemeinden, die aus Angst vor Hanftourismus den Verkauf an Auswärtige untersagt haben. Aber keine Angst, in den Coffeeshops von Amsterdam wird man als Tourist immer noch gerne bedient. Ein Überblick zur Verfügbarkeit von Coffeeshops für Touristen bietet diese Karte von →KeinWietpas.

Tschechien

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Entspannte Dampfsession auf der Karlsbrücke in Prag?

In der Tschechischen Republik inklusive ihrer traumhaft schönen Hauptstadt Prag gibt es zwar keine Coffeeshops, die Rechtslage bezüglich Cannabis ist aber trotzdem wesentlich liberaler als hier in Deutschland. Schon 1993 galten in dem östlichen Nachbarland vergleichsweise progressive Drogengesetze. So standen Herstellung und Weitergabe von Drogen zwar unter Strafe, Besitz und Konsum von kleineren Mengen blieben allerdings weitestgehend straffrei.  Im Jahr 2010 wurden für verschiedene Rauschmittel „geringe Mengen“ definiert, deren Besitz entkriminalisiert bleibt und schlimmstenfalls nur mit einer Geldbuße belangt werden darf. Diese Menge wurde bei Marihuana auf 15 Gramm festgelegt, bei Haschisch lediglich auf 5 Gramm. Außerdem wird der Anbau von bis zu 5 Pflanzen als Eigenbedarf eingestuft und ebenfalls entkriminalisiert. Der Besitz größerer Mengen von Cannabis-Produkten oder der Anbau mehrerer Pflanzen ist in Tschechien weiterhin illegal und kann sogar mit Freiheitsstrafe geahndet werden.

Als Konsequenz der vergleichsweise liberalen Cannabis-Politik gibt es in Tschechien eine große Cannabis-Szene, die bereits viele verschiedene Produkte auf den Markt gebracht hat. Just an diesem Wochenende findet in Prag eine große Messe statt, die →cannafest 2017. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Entkriminalisierung von Cannabis für eine ganze junge Branche neue wirtschaftliche Möglichkeiten erschließen würde. Davon profitierten letztendlich nicht nur die beteiligten Akteure, sondern auch der Wirtschaftsstandort.

Spanien

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Barcelona bietet nicht nur ein traumhaftes Panorama, sondern auch Cannabis Social Clubs.

Auch das sonnige Spanien wird mittlerweile mit einer liberalen Cannabis-Politik assoziiert, allen voran Barcelona. Dort gibt es eine ganze Reihe sogenannter „Cannabis Social Clubs“, also Vereine, in denen sich Mitglieder organisieren und gemeinsam Hanf anbauen können. Möglich ist dies dank einer rechtlichen Grauzone. Während die Produktion von Cannabis-Produkten zum kommerziellen Zweck verboten ist, werden die Herstellung oder der Konsum von Haschisch und Marihuana für den Eigenbedarf nicht strafrechtlich belangt. Die Mitglieder können also in ihren Clubräumen Hanfblüten genießen, die auf unkommerzielle Weise wuchsen und gediehen.
Auch Touristen haben bei einigen Social Clubs die Möglichkeit, Mitglied zu werden und können somit gegen einen Mitgliedsbeitrag cannabinoidhaltige Produkte zu Genusszwecken erhalten und auch konsumieren.
Aber auch in Spanien gibt es die aus hanffreundlicher Sicht ewig gestrige Ideologie aus konservativen Kreisen, die dem interessanten Modell am liebsten den Garaus machen würde und Cannabiskonsumenten zu Kriminellen stilisiert. So hatte es die Stadt Barcelona aus Angst vor Drogentourismus bereits einmal verboten, dass weitere Cannabis Social Clubs öffnen durften. Zudem betonen Gerichtsurteile immer wieder die grauzonenbedingte prekäre Lage der Clubs, als Beispiel →hier ein Bericht des Deutschen Hanfverbands aus dem Jahr 2015.

Schweiz

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Auch auf den Schweizer Bergen ist CBD-Weed völlig legal.

Die rechtliche Lage in der Schweiz ist besonders interessant, da hier Cannabis-Produkte nur unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, wenn sie einen THC-Gehalt von mindestens einem Prozent haben. Marihuana beispielsweise, das diesen Grenzwert nicht überschreitet, ist also vollkommen legal. Es gibt bei den Eidgenossen also einen regelrechten Boom, was den Verkauf von CBD-Gras angeht, das besonders aus therapeutischer Perspektive interessant ist (siehe: Cannabinoide). Ende 2016 wurde CBD-Marihuana in der Schweiz als Tabakersatz offiziell zugelassen und seitdem sprießen Verkaufsstellen aus dem Boden, die sich teilweise optisch nur sehr schwer von den berühmten niederländischen Coffeeshops unterscheiden lassen. Einziger Unterschied: das hier legal erhältliche Marihuana macht nicht high, das enthaltene THC ist hierfür viel zu gering. Rein optisch lässt sich das Produkt von seinen berauschenden Verwandten aber gar nicht unterscheiden. Man kann sich bildlich vorstellen, wie überfordert der gemeine schweizerische Gesetzeshüter sein muss, wenn er einen Konsumenten mit Marihuana erwischt. Wir wollen hoffen, dass es sich in der Regel um CBD-Gras handelt, denn sonst droht auch in der Schweiz eine Strafe. Die besteht zwar normalerweise lediglich aus einem Bußgeld, aber auch das ist natürlich ärgerlich.

Österreich

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Geht nicht mehr als Zierpflanze durch: Die junge Blüte produziert bereits THC.

Bei unseren südlichen Nachbarn aus Österreich ist Cannabis noch ganz klassisch verboten und unterliegt dem dortigen Suchtmittelgesetz, das dem hiesigen BtMG entspricht. Im Gegensatz zu Deutschland steht bei den Österreichern aber auch der Konsum unter Strafe, da diesem ein zumindest kurzfristiger Besitz der verbotenen Substanz vorausgehen muss. So weit, so ewiggestrig.
Etwas kurioser wird die Rechtslage allerdings, wenn es um den Anbau von Hanfpflanzen geht. Dieser ist nämlich nicht per se verboten. Der Hanf selbst, genauso wie seine Samen, fällt nur dann unter das Suchtmittelgesetz, wenn der THC-Gehalt 0,3% übersteigt. So ist es in Österreich durchaus möglich, in einen entsprechenden Laden zu gehen und dort völlig legal Hanfsamen oder Stecklinge zu erwerben, die bei entsprechender Aufzucht in der Lage wäre, potente Hanfblüten zu produzieren. Dies ist möglich, da die Zucht von Hanf als Zierpflanze nicht unter Strafe steht. Es wäre durchaus straffrei möglich, eine Amnesia Haze oder OG Kush aus ästhetischen Gründen im Wohnzimmer stehen zu haben. Der bemühte Gärtner darf seine Pflänzchen nur nicht zum Blühen bringen, denn sonst macht er sich der Produktion von Suchtgift schuldig.

Man sieht also: die Gesetzeslage zu Cannabis ist im europäischen Vergleich ist fast so vielseitig wie die durch sie verbotene Pflanze. Wir freuen uns über jede weitere Liberalisierung weltweit. Am Beispiel der USA kann man sehen, welche Chancen eine Legalisierung bietet. Die Hanfbranche boomt auf allen Ebenen, wissenschaftlich wie wirtschaftlich. Darauf werden wir in einem der nächsten Texte auch näher eingehen. Es wäre doch schön, wenn wir einen ähnlichen Boom bald in europäischen Gefilden beobachten dürften – vielleicht sogar hier in Deutschland. Der Ball liegt jetzt vor allem bei FDP und Grüne, die nur noch die schwächelnde Abwehr der Union überwinden müssen und das Ding in den Winkel knallen müssen. Der Jubel wäre groß.

 

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