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Abgelehnt: Stadt Münster scheitert mit Antrag auf Forschungsprojekt

Ende Juli 2017 stellte die Stadt Münster einen Antrag, eine „Wissenschaftliche Studie zur mehrdimensionalen Erfassung von kurz- und mittelfristigen Wirkungen eines kontrollierten Cannabiskonsums bei gesunden Erwachsenen“ durchführen zu dürfen. Diesen reichte sie notwendigerweise beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein, um von dieser eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten, denn noch steht Cannabis bekannterweise auf der Liste nicht verkehrsfähiger Substanzen. Der Antrag wurde, leider wenig überraschend, kürzlich abgelehnt. Mit einer Begründung, die so wirkt, als ob der Kenntnisstand der Verfasser sich seit über 50 Jahren nicht weiterentwickelt hätte.

Ende Juli 2017 stellte die Stadt Münster einen Antrag, eine „Wissenschaftliche Studie zur mehrdimensionalen Erfassung von kurz- und mittelfristigen Wirkungen eines kontrollierten Cannabiskonsums bei gesunden Erwachsenen“ durchführen zu dürfen. Diesen reichte sie notwendigerweise beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein, um von dieser eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten, denn noch steht Cannabis bekannterweise auf der Liste nicht verkehrsfähiger Substanzen. Der Antrag wurde, leider wenig überraschend, kürzlich abgelehnt. Mit einer Begründung, die so wirkt, als ob der Kenntnisstand der Verfasser sich seit über 50 Jahren nicht weiterentwickelt hätte.

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Die Stadt Münster möchte Erwachsenen zu Forschungszwecken kontrollierte Mengen an Cannabis aushändigen. Ein Bundesinstitut hat etwas dagegen.

Stadt Münster stellte Antrag auf wissenschaftliches Modellprojekt

Die Hanffreunde Münster sind eine Ortsgruppe des Deutschen Hanfverbands (DHV), die vor einigen Jahren anfing, öffentlichkeitswirksam kommunal für eine Legalisierung von Cannabis auch zu Genusszwecken zu werben. Bei der Stadt wurden diverse Anfragen und Anträge getätigt, die Ende Juli dieses Jahres endlich Früchte zu tragen schienen. Die Stadt stellte offiziell einen Antrag beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), eine entsprechende wissenschaftliche Studie zu kontrolliertem Cannabiskonsum bei erwachsenen Menschen durchführen zu dürfen.¹ Bei dieser Studie sollten 100 der 200 möglichen Teilnehmer wöchentlich bis zu 2 Gramm Cannabis kostenlos erhalten, das von der BfArM bezogen werden sollte, was detaillierte Informationen über die genauen Inhaltsstoffe des Produkts garantieren sollte. Hierbei hätten die Probanden einmal pro Woche die Möglichkeit gehabt, Cannabis zu beziehen, wobei es ihnen freigestanden hätte, wie viel davon sie tatsächlich konsumieren wollten. Durch Vertragsklauseln und Urinproben sollte garantiert werden, dass die Substanzen vom Probanden selbst konsumiert und nicht an Dritte weitergegeben würden. Die Studie wäre über ein Jahr gegangen, während dem die Beteiligten von den Wissenschaftlern eng betreut worden wären und am Ende das Ergebnis hätte stehen können, welche Auswirkungen regelmäßiger Cannabis-Konsum auf gesunde Erwachsene gehabt hätte.
Die Hanffreunde Münster kritisierten, dass eine kostenlose Abgabe von Cannabis die Forschungsergebnisse verzerren könnte. „Das Projekt soll die Auswirkungen einer Cannabislegalisierung prüfen, nicht die Auswirkung von Gratis Gras.“, so Daniel Schubert von den Hanffreunden im Juli 2017. Des Weiteren sei das Konzept der Studie aber vielversprechend und gewinnbringend. Man ging von einer Bestätigung der Vorteile einer Cannabis-Legalisierung aus.²

Bundesinstitut lehnt ab

Im Laufe dieser Woche flatterte bei der Stadt Münster nun die Antwort der BfArM herein. Sie war erwartungsgemäß ablehnend, sodass das Modellprojekt in dieser Form vorerst nicht durchgeführt werden kann. So verstoße das Forschungsvorhaben gegen den Schutzzweck des Betäubungsmittelgesetzes und sei weder medizinisch noch ethisch vertretbar. Der Antrag ließe die Risiken, die vom Betäubungsmittel Cannabis ausgingen, weitestgehend unberücksichtigt.³ Eine Antwort, die sich für Legalisierungsbefürworter anfühlt wie ein Schlag ins Gesicht, ignoriert sie doch den aktuellen Wissensstand und die vehemente Forderung nach Freigabe nicht nur von Konsumenten und Patienten, sondern auch von vielen Experten aus Politik, Rechtswesen und Forschung.

„Realitätsfremde, bürokratische Scheuklappen“

 

Der Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands, Georg Wurth, kommentierte die Ablehnung durch die BfArM in einer Pressemitteilung wie folgt: „Die haben Angst, dass die Ergebnisse eines solchen Modellprojekts positiv sind.“ Außerdem hielte er die Ablehnung zum jetzigen Zeitpunkt für ein strategisches Manöver der scheidenden Bundesregierung, „bevor die Jamaika-Koalition möglicherweise andere Vorgaben beschließt.“ Auch Micha Greif von den Hanffreunden Münster ist verärgert über die Begründung der Absage. „Die Antwort der BfArM liest sich wie ein Behördenschreiben aus den 1960ern – es ist erfüllt von gesellschaftlich längst überholten Auffassungen und geprägt durch realitätsfremde, bürokratische Scheuklappen.“, so der Hanffreund.4
Die Stadt Münster indes möchte gegen den Beschluss der BfArM Widerspruch einlegen.

Links

¹     Modellprojektantrag der Stadt Münster als PDF
²     Hanffreunde Münster: „Hanffreunde gegen Gratis Gras / Stadt Münster hat
Cannabis-Modellprojekt beantragt“
³     Antragsablehnung der BfArM als PDF
4     DHV-Pressemitteilung

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