Kurz kommentiert News

Kurz kommentiert: Von Einstiegsdrogen, Legal Highs & Handwerkern

Es gibt viele interessante und kuriose Meldungen aus der Hanfwelt. In dieser Kolumne werden wir einige von diesen ab sofort in unregelmäßigen Abständen vorstellen und etwas dazu sagen. Kurz kommentiert eben. Ausgabe 1 vom 11. November 2017.

Es gibt viele interessante und kuriose Meldungen aus der Hanfwelt. In dieser Kolumne werden wir einige von diesen ab sofort in unregelmäßigen Abständen vorstellen und etwas dazu sagen. Kurz kommentiert eben. Ausgabe 1 vom 11. November 2017.

Augsburger Allgemeine: „Vom Cannabis zum Heroin: Freiheitsstrafe“

Ach ja, die alte Mär der Einstiegsdroge. Unmengen an Expertenmeinungen und Studien zum Trotz hat sich die Augsburger Allgemeine gedacht, dass es mal wieder an der Zeit ist, diese alte Geschichte aufzuwärmen. Schließlich wird gerade viel über die Legalisierung diskutiert und deren Gegnern gehen die Argumente aus. Da ist es immer besonders wirkungsvoll, Extrembeispiele zu bringen, die den gemeinen Leser schockieren und seine Meinung über Cannabis negativ beeinflussen können.
So auch hier geschehen. Es wird berichtet von einem 28-Jährigen, der jüngst zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde. „Ein negatives Paradebeispiel“ sei er, das „den Befürworten von Cannabiskonsum vor Augen“ geführt werden sollte. Der erfahrene Hanffreund kennt solche Berichte und ahnt bereits, was jetzt folgen wird. Und er wird auch dieses Mal leider nicht eines Besseren belehrt. Betroffener Mann nämlich hat mit 12 Jahren begonnen zu kiffen, wurde süchtig nach Cannabis und griff anschließend zu immer härteren Drogen. Eine Geschichte, die dem typischen Legalisierungsgegner ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte, scheint sie doch die Legende von der Einstiegsdroge zu bestätigen, wie es klischeehafter nicht möglich wäre.
Doch die Verantwortlichen bei der Augsburger Allgemeinen sollten es sich nicht nehmen lassen, über besagtes Einzelschicksal vielleicht ein zweites oder drittes Mal nachzudenken. Keiner der „Befürworter von Cannabiskonsum“ fordert eine Freigabe für 12-Jährige. Ein Kind in diesem Alter, das regelmäßig das Bedürfnis spürt, sich zu berauschen, hat Probleme, die nicht beim Cannabis lokalisiert werden können. Wir können über die Hintergründe nur mutmaßen, aber soziales Umfeld und die Lebenssituation sind es in der Regel, die junge Menschen so abstürzen lassen. Eine repräsentative Umfrage der BZgA zeigt, dass jeder Zehnte Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren regelmäßig Alkohol konsumiert. Das ist unbestritten gefährlich für deren Gesundheit, trotzdem würde niemals ernsthaft auf die Idee kommen, ein mögliches Verbot von Alkohol ins Gespräch zu bringen.
Dass es (sehr junge) Menschen gibt, die durch Cannabiskonsum abstürzen wird von niemanden bestritten und stellt erst recht kein Argument gegen die Legalisierung dar. Viel eher ließe es sich als Argument für eine liberalere Drogenpolitik einsetzen, da ohne Kriminalisierung der Substanz Menschen wie dem 28-Jährigen viel früher hätte geholfen werden können.

Nordkurier: „Polizei warnt vor synthetischem Cannabis“

In Berlin scheint es besonders rund um den Alexanderplatz gehäuft zu schweren Problemen mit synthetischem Cannabis zu kommen. Für zirka 5 Euro scheinen dort Dealer Drogen wie „Bonzai“ zu verticken, meist sind dies Kräutermischungen, denen synthetische Cannabinoide beigemischt wurden. Diese sind in der Regel nur wenig bis gar nicht erforscht und können um ein vielfaches stärker sein als klassisches THC. Unerwartete Nebenwirkungen nach dem Konsum treten dementsprechend sehr häufig auf. In Berlin kam es bei Konsumenten wohl vermehrt zu Ohnmacht, Krämpfen und anderen unangenehmen Symptomen wie z.B. Schaum vor dem Mund. Eine starke Überdosis kann im Gegensatz zu klassischem Marihuana sogar lebensgefährlich werden.
Doch warum greifen Menschen überhaupt zu diesen dubiosen Kräutermischungen anstatt zum Klassiker? Das liegt (mal wieder) am Betäubungsmittelgesetz. Die Hersteller dieser Rauschmittel entwickeln immer wieder neue synthetische Wirkstoffe, die vorerst nicht unter das BtMG fallen, also erstmal legal sind. Deswegen wird hier auch von sogenannten „Legal Highs“ gesprochen. Es sind Geschichten, die nur eine irrationale Drogenpolitik schreiben kann. Es wird Geld verdient mit der Herstellung gefährlicher unbekannter synthetischer Wirkstoffe, die dann legal verkäuflich sind – dies ist aber alles nur möglich, weil das Original aus ideologischen Gründen verboten bleibt. Bei einem staatlich regulierten Cannabismarkt würde niemand auch nur auf die Idee kommen, zu den gefährlichen Kräutermischungen zu greifen. Jeder Konsument, der durch „Bonzai“, „Spice“ und co. zu Schaden kommt, ist ein Opfer der gescheiterten Drogenpolitik. Wie so oft, kann es auch hier nur eine Schlussfolgerung geben: Legalize it!

Nordbayern.de: „Klempner im Haus: Student zieht trotzdem einen durch“

Ein 20-jähriger Student aus Nordbayern sollte spätestens jetzt anfangen, sein Cannabiskonsummuster stark zu überdenken. Obwohl gerade Handwerker in seiner Wohnung Rohre reparierten, ließ es sich der überzeugte Kiffer offenbar nicht nehmen, einen dicken Kopf in seiner Bong zu rauchen. Die Handwerker waren durch die süßlich duftenden Rauchschwaden verständlicherweise irritiert, aber der Student paffte fröhlich weiter. Im Endeffekt wurde die Polizei alarmiert und der Student musste seinen Grasvorrat an die Asservatenkammer abgeben. Hätte der junge Mann anstelle seiner Bong einen ordentlichen Verdampfer zum Konsum benutzt, hätten die Handwerker sich wohl eher nicht gestört gefühlt und die Geschichte wäre eventuell ohne Anzeige zu Ende gegangen.

Kommentar verfassen