Botanik Hanf Magazin

Selbst blüht die Pflanze: Der Ruderalhanf

Neben Indica und Sativa gibt es noch einen dritten Vertreter in der Gruppe der Hanfarten, der sich besonders durch seine außergewöhnliche Blühphase von den anderen abhebt. Die Wissenschaft ist sich nicht einig, ob es sich hierbei um eine eigene Unterart der Gattung Hanf handelt oder lediglich um eine Varietät von Cannabis sativa. Die Rede ist von Cannabis ruderalis, dem Ruderalhanf.

Die meisten Freunde der Pflanze mit gezacktem Blattfinger wissen sicher, dass man beim Hanf zwischen Sativa und Indica unterscheiden kann. Die beiden Arten unterscheiden sich sowohl in Blatt- und Wuchsform, als auch in der Wirkung des Endprodukts aus den weiblichen Blüten. Es gibt allerdings einen dritten Vertreter in der Gruppe der Hanfarten, der sich besonders durch seine außergewöhnliche Blühphase von den anderen abhebt. Die Wissenschaft ist sich nicht einig, ob es sich hierbei um eine eigene Unterart der Gattung Hanf handelt oder lediglich um eine Varietät von Cannabis sativa. Die Rede ist von Cannabis ruderalis, dem Ruderalhanf.

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Cannabis ruderalis stammt hauptsächlich aus den Gebieten des ehemaligen Ostblocks

Klein, aber selbstblühend

Rein optisch hebt sich der Ruderalhanf schon recht deutlich von seinen Verwandten ab. Während Sativas in der Wildnis in ungeahnte Höhen schießen und auch Indicas bei genügend Licht zu regelrechten Büschen mutieren, bleibt Ruderalis da eher unscheinbar und gibt sich mit Größen von 30 – 80 Zentimetern zufrieden. Seitentriebe sind ebenfalls merklich weniger vorhanden und auch die charakteristischen Hanfblätter haben häufig nur 3 bis 5 Finger.
Dass die Pflanzen vergleichsweise kleinwüchsig bleiben, lässt sich durch das faszinierende Alleinstellungsmerkmal des Ruderalhanfs erklären, dem Blühzyklus. Klassischer Hanf, völlig gleich ob Indica oder Sativa, beginnt dann zu blühen, wenn herbstliche Bedingungen vorherrschen. Die Einleitung der Blüte ist somit photoperiodisch induziert, d.h. abhängig von der Jahreszeit. Bei der Aufzucht unter künstlichem Licht simuliert der Gärtner diese Bedingungen durch Verringerung der Beleuchtungszeit auf weniger als 12 Stunden und durch Verwendung einer Lampe mit höherem Rot-Anteil. Ruderalis-Pflanzen freuen sich natürlich auch über jeden Lichtstrahl, der sie erreicht, wie viel Stunden sie tatsächlich in der Sonne stehen ist aber nicht erheblich für den Einsatz der Blüte. Für diesen ist lediglich der natürliche Reifungsprozess der Pflanze verantwortlich, erreicht sie also ein bestimmtes Alter, beginnt sie zu blühen. Theoretisch würde Ruderalhanf sogar dann blühen, wenn er 24 Stunden am Tag künstlich beleuchtet würde. Andere Hanfarten blieben hierbei auf ewig in der Wachstumsphase.
In der Regel setzt die Blühphase bei Ruderalis nach 3 bis 4 Wochen Wachstum automatisch ein, meist nach der Bildung von etwa 5 oder 6 Blattpaaren. Weitere 6 bis 7 Wochen später ist der Reifeprozess der Samen in der Blüte abgeschlossen und die Pflanze stirbt ab. Der kurze Lebenszyklus des Ruderalhanfs sorgt für eine faszinierende Anpassung an schwierige Lebensbedingungen wie kurze oder kalte Sommer, da die Reproduktion und Entstehung einer neuen Generation im Optimalfall in gerade einmal 10 bis 12 Wochen abgeschlossen sein kann. Auch die Samen sind auffällig kälteresistent und überleben auch in gefrorenem Boden, um in der neuen Saison mühelos zu keimen. Dies ist für die Pflanze aber auch lebensnotwendig, liegt ihre Hauptverbreitung doch in den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion und des Ostblocks, wo eiskalte Winter keine Seltenheit sind.

Wilde Pflanze mit Zuchtpotenzial

Im Gegensatz zum klassischen Hanf ist Cannabis ruderalis keine Kulturpflanze, sondern wächst wild. Der Name stammt vom lateinischen „rudus“ ab, was in etwa mit Kies oder Schotter übersetzt werden kann. Und tatsächlich lässt sich der wildwachsende Ruderalhanf in seiner Heimat oft in den Bereichen finden, in denen Menschen Schutt abgelagert haben. Der Wildwuchs und die geringe Menge an Pflanzenmaterial machen Ruderalhanf ungeeignet zur Verwendung als Nutzpflanze. Die weiblichen Blüten enthalten auch nur einen geringen Anteil an THC und werden in der Wildnis meist früh bestäubt, eine Verwendung zur Herstellung potenter Cannabisprodukte wäre also ebenfalls nicht sonderlich ertragsreich.
In den vergangenen Jahren sind Ruderalis-Pflanzen allerdings immer attraktiver für die professionelle Hanfzucht geworden. Durch Forschung und Anbau unter wissenschaftlichen Aspekten wurde es möglich, durch Kreuzung von Ruderalis mit Indicas oder Sativas selbstblühende Pflanzen zu züchten, deren THC-Gehalt dem klassischer potenter Strains sehr nahe kommt. Dies kann die Dauer einer Aufzucht deutlich verringern, da die monatelange Wachstumsphase wegfällt. Mehrere Ernten in einer Saison sind durchaus möglich und das Endprodukt bewahrt trotz Kreuzung einen Gehalt an Cannabinoiden, der für therapeutische Zwecke geeignet ist.

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