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Blog: Dank des Verbots für das Verbot

Die Cannabis-Branche boomt weltweit, immer mehr Staaten lenken ein und erkennen, dass eine liberalere Einstellung dem Hanf gegenüber vernünftig ist. Auch in Deutschland wird im Rahmen der Jamaika-Sondierungen über die Freigabe von Cannabis diskutiert. Doch die neuste Umfrage der Forsa, einem der führenden Meinungsforschungsinstitute, liefert ein ernürchterndes Ergebnis: fast zwei Drittel der Befragten lehnen eine Legalisierung ab. Ein Kommentar.

Die Cannabis-Branche boomt weltweit, immer mehr Staaten lenken ein und erkennen, dass eine liberalere Einstellung dem Hanf gegenüber vernünftig ist. Auch in Deutschland wird im Rahmen der Jamaika-Sondierungen über die Freigabe von Cannabis diskutiert. Doch die neuste Umfrage der Forsa, einem der führenden Meinungsforschungsinstitute, liefert ein ernürchterndes Ergebnis: fast zwei Drittel der Befragten lehnen eine Legalisierung ab. Ein Kommentar.

Es wäre eine Entwicklung, die das Herz eines jeden Hanffreundes höher schlagen ließe und viele Menschen warten und hoffen bereits seit Jahrzehnten darauf, dass die Verantwortlichen in der Drogenpolitik endlich Vernunft walten lassen, indem sie eine Legalisierung der Nutz- und Heilpflanze Cannabis sativa auf den Weg bringen. Und tatsächlich: Das Ergebnis der jüngsten Bundestagswahl sorgt für die ungewöhnliche Situation, dass die Union mit FDP und Grünen hinsichtlich der Regierungsbildung verhandeln muss. CDU/CSU sind zwar noch immer stärkste Fraktion in Bundestag, aber mussten ein vergleichsweise schwaches Ergebnis einstecken, sodass es in vielen Themengebieten Kompromisse geben muss und wird. Die lang ersehnte Cannabis-Legalisierung ist eines der wenigen Themen, bei denen bei FDP und Grünen weitgehend Einigkeit herrscht, es scheint also durchaus möglich, dass diese einer der Kompromisse sein wird, die ihren Weg in den Koalitionsvertrag der neuen Regierung finden.

Die Zeichen stehen gut, die Zahlen weniger.

Wir leben also aktuell in Zeiten, in denen die Rehabilitierung der Hanfpflanze greifbar nah zu sein scheint. Vielleicht sogar so nah, wie sie es seit dem Verbot von 1929 nie war. Genau zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht die Forsa eine Umfrage, bei der 1000 Menschen befragt wurden, ob sie eine mögliche Legaliserung denn befürworten würden. Das Ergebnis ist enttäuschend und macht vielleicht sogar etwas wütend: 63% der Teilnehmer sind gegen eine modernere Drogenpolitik. Allen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Expertenmeinungen zum Trotz. Doch wie kann das sein? Warum sind immer noch so viele Menschen davon überzeugt, Cannabis sei ein hochgefährliches Rauschgift? Denn warum sonst sollten die Beteiligten ein derart negatives Bild von Hanf haben, wenn sie nicht dessen scheinbare Gefahr für eine intakte Gesundheit in den Mittelpunkt der Debatte stellen würden?

Jahrzehnte des Verbots prägen das Meinungsbild

Nun ja, die vielen Jahrzehnte der Cannabis-Prohibition sind natürlich nicht spurlos an uns vorbei gegangen. Das öffentliche Meinungsbild wurde für eine halbe Ewigkeit in dem Glauben gelassen, Hanf sei Teufelszeug und jedem, der damit in Kontakt kommt, drohe unabänderlich der Sturz in einen Drogensumpf aus Sucht und Beschaffungskriminalität. Noch heute glauben viele Menschen felsenfest an die Mär der Einstiegsdroge, obwohl diese bereits in den 90er-Jahren widerlegt wurde. Es gibt ernsthaft sogar noch Politiker, die diese Theorie auch 2017 noch für ein valides Argument gegen die Legalisierung halten. Politiker wie die Drogenbeauftragte der scheidenden Bundesregierung Marlene Mortler (CSU). Für Fachkundige sind solche Aussagen der unumstößliche Beweis für eine katastrophale Inkompetenz, Bürger ohne Vorerfahrung messen allerdings einer Drogenbeauftragen eine gewisse Autorität zu, sodass solche Aussagen durchaus Zustimmung ernten. Dies kann man ihnen ja bis zu einem bestimmten Punkt nicht einmal zum Vorwurf machen, denn warum sollte eine Bundesregierung jemanden zum Drogenbeauftragten machen, der in jeglicher Hinsicht ungeeignet für diesen Job ist? (Fun Fact: Eine Antwort hierauf hat die Regierung bis heute nicht gegeben.)

Die Medien sind als vierte Gewalt im Staat ebenfalls ein prägender Einfluss auf das öffentliche Meinungsbild. Hier lässt sich zwar jüngst auch eine erfreuliche Entwicklung fest stellen, sodass wesentlich objektiver oder weniger voreingenommen über Cannabis berichtet wird, aber Bezeichnungen wie „Rauschgift“ oder „Einstiegsdroge“ sind trotz ihrer wissenschaftlichen Unhaltbarkeit immer noch häufig in journalistischen Berichten zu finden, die sich mit der Hanfpflanze beschäftigen. Und klar, niemand möchte ernsthaft bestreiten, dass es Menschen gibt, denen Cannabis nicht gut getan hat und die sich durch Drogenmissbrauch ernsthafte Schäden zugefügt haben. Aber diese Menschen haben in der Regel hochgradige Probleme mit ihrer Psyche oder dem sozialen Umfeld, was erst den Drang zu zügellosem Rauschmittelkonsum auslöst. Diese Fälle sind erschreckend und bedauernswert, lassen sich aber nicht auf den Konsum von Cannabis beschränken und damit dessen Verbot legitimieren. Zwar gehen die Zahlen glücklicherweise zurück, aber auch heute gibt es deutschlandweit Tausende junger Menschen, die schon im Teenager-Alter alkoholabhängig werden. Trotzdem käme niemand auf die Idee, Alkohol als Genussmittel zu verbieten und jeder scheint zu wissen, dass ein bewusster Konsum von Alkohol möglich zu sein scheint.

Dieser bewusste Konsum ist bei Cannabis als Genussmittel durchaus möglich und Millionen von Bundesbürgern praktizieren ihn regelmäßig. Menschen, die ein ganz normales Leben führen, einem Beruf nachgehen, vielleicht sogar Kinder haben und bei denen es keinerlei Anzeichen für einen kriminellen Habitus gibt. Anderen wiederum würde das Leben extrem erleichtert, hätten sie die Möglichkeit, ihre Medizin selbst zu züchten, indem sie Hanfpflanzen kultivieren. Diese Bürger werden kriminalisiert, haben Angst um ihre Fahrerlaubnis oder davor, dass ein aufmerksamer Nachbar sie verpfeift und anschließend von Polizeibeamten in ihre intimsten Bereiche eingegriffen wird, weil ein fleißiger Richter eine Hausdurchsuchung wegen zweier Pflänzchen anordnet.

Gefestigte Meinung trotz fehlender Auseinadersetzung

Das große Problem bei solchen Umfragen liegt nicht nur in einer ungenauen Formulierung bei der Fragestellung oder der Beschränktheit von „ja“ und „nein“ als einzige Antwortoptionen. Viel mehr ist es höchst problematisch, dass viele Menschen eine gefestigte Meinung zu Themen haben, mit denen sie sich nicht einmal ansatzweise auseinandergesetzt haben. Ihr Bild setzt sich zusammen aus Aussagen von Politikerinnen wie Marlene Mortler oder medialen Horrorberichten über abgestürzte Jugendliche, die wegen übermäßigen Cannabiskonsums in die Psychiatrie eingewiesen werden mussten. Auch wenn es arrogant und überheblich klingen mag: solche Ansichten sollten für die Schaffung von vernünftigen Rahmenbedingungen irrelevant sein. Das ist auch keinesfalls undemokratisch, da es sich hier um Meinungen zu einem Thema handelt, das die befragten Menschen offenbar nicht einmal ansatzweise tangiert. Es bleibt zu hoffen, dass die Forsa-Umfrage letztendlich kein gefundenes Fressen für die Legalisierungsgegner sein wird und besonders FDP und Grüne an ihrer Einstellung zu diesem Thema festhalten und die neue Regierung, sollte sie irgendwann in der Lage sein, einen Koalitionsvertrag fertig zu stellen, eine modernere progressive Drogenpolitik in die Wege leitet, bei der die Rehabilitation der Hanfpflanze zu Nutz- und Genusszwecken am Anfang steht. Die zwei Drittel, die sich gegen die Freigabe sträuben werden schnell realisieren, dass sich die Welt auch dann weiter dreht, wenn der Hanf legal wachsen darf. Außerdem: ein Freiheitsgewinn für andere, der deren Leben enorm erleichtert und gleichzeitig für einen selbst keinen Freiheitsverlust bedeutet, wer könnte da denn ernsthaft dagegen sein?

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