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Kurz kommentiert: Von gescheiterten Sondierungen, beleidigten Drogenbeauftragten & bekifften Pferden

Es gibt viele interessante und kuriose Meldungen aus der Hanfwelt. In dieser Kolumne werden wir einige von diesen ab sofort in unregelmäßigen Abständen vorstellen und etwas dazu sagen. Kurz kommentiert eben. Ausgabe 2 vom 21. November 2017.

Cannabis-Rausch.de: Was bedeutet der Tod von Jamaika für die Cannabis Legalisierung?

Seit der Nacht von Sonntag auf Montag steht fest: Die Sondierungsgespräche zwischen den beteiligten Parteien einer möglichen Jamaika-Koalition sind gescheitert. Wochenlang diskutierte man Tag und Nacht miteinander, offensichtlich umsonst. Fast schon überraschend kam der Abbruch nicht von der CSU, sondern FDP-Chef Christian Lindner erklärte das Vorhaben Jamaika für gescheitert. Die Forderung nach einer Freigabe von Cannabis ist in den Parteiprogrammen zweier beteiligter Parteien zu finden und FDP-Vize Strack-Zimmermann bekräftigte dies erst kürzlich öffentlich, sodass eine liberalere Drogenpolitik greifbar nah zu sein schien. Der vorzeitige Abbruch der Sondierungen hinterlässt viele offene Fragen. Wie geht es weiter? Gibt es Neuwahlen, wagt Angela Merkel eine Minderheitsregierung oder bricht die SPD überraschend doch mit ihrer Ankündigung und stellt sich als Wegbereiterin einer neuen Auflage der GroKo bereit? Das kleine gesundheitspolitische Thema der Cannabis-Legalisierung rückt in dieser politisch spannenden wie ungewohnten Situation verständlicherweise in den Hintergrund. Cannabis-Rausch.de hat dennoch mögliche Entwicklungen betrachtet, wie es für die Rehabilitierung des Hanfs nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen weitergehen könnte.

Hanfjournal: Marlene Mortler zeigt Sadhu van Hemp an

Die Aussagen der scheidenden Drogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU) sorgten bei Hanffreunden regelmäßig für unfreiwillige Belustigung, gemischt mit einer ordentlichen Portion Unverständnis darüber, wie es dermaßen geballte Inkompetenz in eine solche Position schaffen kann. „Cannabis ist illegal, weil es verboten ist.“, ist nur einer der Sätze Mortlers, der ihre offenkundige Argumentlosigkeit zeigt. Die logische und verdiente Konsequenz dessen war, dass die gute Dame immer wieder Häme und der satirischen Auseinandersetzung mit ihren unsäglichen Positionen ausgesetzt wurde. So auch geschehen beim Hanfjournal in einer Polemik mit dem Titel „Mortler verteufelt Cannabis und bringt Schande über Deutschland“, die von Sadhu van Hemp verfasst wurde. Anscheinend fühlte sich die Noch-Drogenbeauftragte von diesem Artikel massiv beleidigt, weshalb sie eine Unterlassungsaufforderung an das Hanfjournal schickte. Unsicher ob schlechter Fake oder Realsatire, kam die Redaktion der Aufforderung nicht nach und ließ den Artikel online, was Frau Mortler wohl nicht erfreut hatte. Nach Ablauf der Frist wurde ein Strafantrag wegen Beleidigung gestellt, sowohl gegen den Autor der Polemik, als auch gegen den Herausgeber des Hanfjournals. Nach unserem Rechtsverständnis wird diese hoffentlich im Sand verlaufen, da die Pressefreiheit ein hohes Gut ist, dass nicht aufgrund der Befindlichkeiten einzelner Politiker infrage gestellt werden darf. Abgesehen davon kommt ja auch Frau Mortler ungestraft davon für die jahrelange kontinuierlichen Beleidigungen einer vernünftigen Auseinandersetzung mit Cannabis und Drogenpolitik im Ganzen.

Neue Zürcher Zeitung: Streit um Hanf als Pferdefutter

Wer die aktuellen Meldungen zum Thema Hanf und Cannabis verfolgt, der kämpft sich meist durch Massen an Pressemitteilungen der Polizei, die mal wieder irgendwo einem kleinen Kiffer seinen Joint geklaut hat oder dank aufmerksamer Nachbarn die gigantische Hanfplantage eines Großdealers hochgenommen hat, die aus ganzen 3 Jungpflanzen bestand. Zwischendrin findet man aber immer mal wieder richtige Kuriositäten, die direktes Resultat der realsatirischen politischen Verbotslage des Hanfs sind. So auch diese Meldung aus dem Nachbarland Schweiz. Per Gesetz ist es für Bauern dort verboten, ihre Nutztiere mit Hanf zu füttern, um gänzlich auszuschließen, dass in Fleisch oder Milch Rückstände der psychoaktiven Substanz THC zu finden sind. Dass dies bei einer Fütterung mit beispielsweise Hanfsamen überhaupt nicht möglich ist, beeindruckt den Gesetzgeber nur wenig. Sicherheit geht eben vor. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn ein Kind THC-kontaminierte Milch trinken würde. Ein 62-jähriger Hanfbauer steht jetzt in der Schweiz vor Gericht, weil er seine Pferde mit Hanf gefüttert hat und nun auch noch die Dreistigkeit besitzt, diese Form des Futters anzupreisen. Noch schlimmer: Der Mann behauptet sogar, dass seine Tiere durch die hanfhaltige Nahrung gesünder wirken würden. Das dürfte auch kein Wunder sein – schließlich versetzt dieser Unmensch diese hilflose Wesen in einen chronischen Drogenrausch. Nicht. Der ganze Streit gleicht einer Farce, gerade auch deshalb, weil das unsinnige Hanfverbot bei der Tierfütterung zum Jahr 2018 abgeschafft werden soll.

Blick.ch: Armee verbietet legale CBD-Zigaretten

Zum Abschluss noch eine weitere kuriose Meldung aus dem Land der Eidgenossen. Bekannterweise ist dort der Verkauf von quasi THC-freiem CBD-Gras legal und boomt regelrecht. Angehörige der Armee müssen ab sofort mit Strafen rechnen, wenn sie sich erdreisten, auf legalem Wege erworbene CBD-Produkte zu konsumieren. Begründet wird dies damit, dass Cannabidiol unter gewissen Umständen die Fahrtüchtigkeit negativ beeinflussen könne. Dass dies ein Scheinargument ist, ist allein durch die fehlende psychoaktive Wirkung von CBD zu beweisen. Problematisch wird wohl eher sein, dass sich CBD-Marihuana in Geruch und Aussehen nicht von seinen berauschenden Verwandten unterscheidet. Und es wäre ja unverantwortlich, wenn ein Angehöriger der Armee dem verbotenen Cannabis-Rausch frönen würde. Ein großes Bier tut es ja schließlich auch. Oder zwei. Oder drei. Oder vier.

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